Schutz, Befähigung und Teilhabe gemeinsam denken

Bundeselternrat begrüßt 56 Empfehlungen für zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz
Der Bundeselternrat begrüßt die 56 Handlungsempfehlungen der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“. Besonders wichtig ist, dass sie Schutz, Befähigung und Teilhabe verbinden und Verantwortung nicht allein Kindern, Jugendlichen oder Eltern übertragen.
„Kinder und Jugendliche wachsen selbstverständlich in einer digitalen Welt auf. Entscheidend ist, wie wir sie sicher, gesund und selbstbestimmt gestalten“, sagt Norman Heise, Vorsitzender des Bundeselternrats. „Eltern tragen Verantwortung, können aber unsichere Plattformen, fehlende Medienbildung und unzureichende Unterstützung nicht allein ausgleichen.“
Der Bundeselternrat sieht sich in seinen Forderungen bestätigt: Medienkompetenz und Jugendschutz müssen früh vermittelt, niedrigschwellige Meldemöglichkeiten geschaffen und Lehrkräfte für digitale Risiken qualifiziert werden. Eltern brauchen verlässliche Beratung, Schulen umsetzbare Konzepte und Plattformen sichere Voreinstellungen, altersgerechte Angebote sowie funktionierende Beschwerdestrukturen.
Unterstützung muss dort ankommen, wo Familien sie erreichen
Ein wirksamer Kinder- und Jugendschutz braucht aus Sicht des Bundeselternrats ein Netz verschiedener Anlaufstellen. Neben Schule und Elternhaus gehören dazu auch Jugendzentren, Bibliotheken, Familienbildungsstätten und weitere Einrichtungen vor Ort, die Kinder, Jugendliche und Eltern niedrigschwellig beraten, informieren und bei konkreten Problemen weitervermitteln können.
Auch die regelmäßigen kinderärztlichen U-Untersuchungen bieten eine gute Möglichkeit, Familien frühzeitig zu erreichen. Altersgerechte Hinweise zum Umgang mit digitalen Medien, zu möglichen Risiken und zu Unterstützungsangeboten können dort Teil der Gesundheitsvorsorge sein. Dabei geht es nicht darum, medizinische Untersuchungen mit zusätzlichen Aufgaben zu überfrachten, sondern darum, bestehende Kontaktpunkte sinnvoll zu nutzen und Familien bei Bedarf unkompliziert zu den richtigen Beratungsangeboten weiterzuleiten.
„Wir dürfen Familien nicht erst dann Unterstützung anbieten, wenn ein Problem bereits eskaliert ist“, so die Meinung des Vorstandes. „Ein gutes Schutzsystem muss dort ansetzen, wo Familien ohnehin sind: in der Schule, beim Kinderarzt, im Jugendzentrum, in der Bibliothek und in anderen Einrichtungen ihrer Lebenswelt.“
Kinder und Jugendliche beteiligen
Der Bundeselternrat begrüßt, dass mehr als 100 junge Menschen in Workshops beteiligt wurden. Ihre Perspektiven müssen auch künftig berücksichtigt werden.
„Beteiligung darf kein einmaliges Format sein“, betont Aline Sommer-Noack, Stellvertretende Vorsitzende. „Wer über die digitale Lebenswelt junger Menschen entscheidet, muss ihnen dauerhaft zuhören.“
Empfehlungen müssen umgesetzt werden
Nun kommt es auf die Umsetzung an. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten und verlässliche Finanzierung. Medienbildung darf nicht vom Engagement einzelner Schulen abhängen. Alle Kinder und Jugendlichen müssen unabhängig vom Wohnort Zugang zu Schutz, Unterstützung und Beteiligung haben.
„Wir brauchen ein System, in dem alle Verantwortung übernehmen: Eltern, Schulen, Politik, Plattformbetreiber, Jugendhilfe und weitere Akteure“, sagt Heise.
Der Bundeselternrat wird sich dafür einsetzen, dass die 56 Empfehlungen in konkrete Maßnahmen für Familien, Schulen und junge Menschen übersetzt werden.
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt ist eine gemeinsame Aufgabe. Jetzt muss daraus gemeinsames Handeln werden.
Norman Heise und Aline Sommer-Noack
Vorstand Bundeselternrat
Kontakt: info@bundeselternrat.de