
PISA 2025: Wir wissen seit 25 Jahren, wo die Probleme liegen. Wann fangen wir an, sie zu lösen?
Bundeselternrat fordert wirksame Maßnahmen zur individuellen Förderung
Berlin, 8. September 2026 – Die diesjährigen PISA-Ergebnisse sind erneut erschütternd und ernüchternd – aber sie sind leider keine Überraschung. Deutschland erreicht wieder nur das OECD-Mittelfeld. Besonders alarmierend: Die Leistungen in Mathematik und Lesen liegen auf einem historischen Tiefstand.
Für den Bundeselternrat lautet die Frage nicht: “Was hat PISA herausgefunden?“, sondern: “Was genau evaluieren wir eigentlich noch?“
Seit der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren werden immer wieder dieselben Problembereiche sichtbar: mangelnde Basiskompetenzen, starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft, Sprachförderbedarf, fehlende Bildungsgerechtigkeit und strukturelle Probleme bei Personal und Unterrichtsqualität.
Und PISA ist längst nicht die einzige Quelle. Der IQB-Bildungstrend, der Nationale Bildungsbericht und zahlreiche weitere Untersuchungen bestätigen seit Jahren ein ähnliches Bild.
Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem.
„Es kann nicht die Antwort auf sinkende Kompetenzen sein, noch eine Studie zu veröffentlichen und anschließend die nächste Arbeitsgruppe einzusetzen“, sagt der Bundeselternrat. „Wenn seit 25 Jahren bekannt ist, dass Kinder beim Lesen, Schreiben, Rechnen und in den Naturwissenschaften Unterstützung brauchen, muss die entscheidende Frage lauten: „Was benötigen wir, um schneller und wirksamer ins Handeln zu kommen?“
Es geht ausdrücklich nicht darum, Schulen und Lehrkräfte für strukturelle Probleme verantwortlich zu machen. Im Gegenteil: Wer von Schulen bessere Ergebnisse verlangt, muss ihnen auch die Voraussetzungen dafür geben.
Frühe und verbindliche Sprachförderung, die Sicherung von Basiskompetenzen, ausreichend qualifiziertes Personal, gezielte Unterstützung benachteiligter Schulen und verlässliche Rahmenbedingungen sind keine neuen Erkenntnisse. Sie werden seit Jahren gefordert, und jedoch nur mangelhaft ungesetzt.
Auch die aktuelle PISA-Analyse verweist erneut auf die Bedeutung von pädagogischem Personal, individueller Förderung und der Einbindung von Eltern.
Aus allen vorliegenden Erkenntnissen müssen jetzt endlich Konsequenzen folgen. „Die Menschen haben PISA längst verstanden: 67 Prozent halten internationale Vergleichsstudien für sinnvoll. Gleichzeitig glaubt mehr als die Hälfte nicht, dass diese Studien Schule und Unterricht tatsächlich besser machen. Vielleicht liegt das Problem deshalb nicht darin, dass wir zu wenig wissen – sondern darin, dass wir aus dem Wissen zu wenig machen.“ so Aline Sommer-Noack, Vorstand Bundeselternrat.
„Getreu dem Merksatz: „Von den Daten zu den Taten“ fordert der Bundeselternrat deshalb, die guten und sehr guten Beispiele von wirksamen Konzepten für interessanten und alltagsnahen Unterricht, für moderner Pädagogik und Didaktik, für wirksames Classroom-Management zu bündeln und zugänglich zu machen. “Schulen müssen auch voneinander lernen können. „So müssen unter anderem Schulaufsichten in die Lage versetzt werden, vielfältige Daten zu nutzen, um gute sowie sehr gute Schulen zu identifizieren und sie mit denjenigen zusammenzubringen, die noch Unterstützung benötigen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, so Norman Heise, Vorsitzender des Bundeselternrates.
Denn eines darf nach 25 Jahren PISA nicht passieren:
Dass wir in drei Jahren wieder dieselben Probleme messen – und uns erneut darüber wundern.
Messen allein verbessert keine Bildung. Handeln schon.
Der Bundeselternrat fordert deshalb einen Perspektivwechsel: Weg von der Frage „Was zeigt die nächste Studie?“ und hin zu der Frage:
„Was tun wir jetzt – und woran erkennen wir, dass es funktioniert?“
Norman Heise und Aline Sommer-Noack
Vorstand Bundeselternrat
Kontakt: info@bundeselternrat.de