
Bundeselternrat kritisiert geplante Kürzung des Unterhaltsvorschusses und fordert eine Politik mit Blick für die Lebensrealität von Familien
Während Schulen bundesweit mit Personalmangel kämpfen, Unterricht ausfällt, Kinder und
Jugendliche monatelang auf psychologische Unterstützung warten und Familien tagtäglich
versuchen, die Folgen fehlender Strukturen aufzufangen, setzt die Bundesregierung eine Debatte
über Einsparungen bei einer Leistung fort, die für viele Kinder und Jugendliche existenziell ist: den
Unterhaltsvorschuss.
Der Bundeselternrat kritisiert die geplante Begrenzung des Unterhaltsvorschusses bis zum 16.
Lebensjahr entschieden. Nach den derzeit bekannten Plänen soll die Leistung künftig nicht mehr bis
zur Volljährigkeit gezahlt werden. Im Jahr 2025 erhielten rund 855.000 Kinder und Jugendliche
Unterstützung durch den Unterhaltsvorschuss.
„Wir sprechen hier nicht über eine abstrakte Haushaltsposition. Wir sprechen über Kinder und
Jugendliche, deren Alltag sich dadurch unmittelbar verändert“, sagt Aline Sommer-Noack,
Vorstandsmitglied und alleinerziehende Mutter von 3 Kindern.
Ein Beispiel aus der Lebensrealität vieler Familien:
Ein alleinerziehendes Elternteil arbeitet, organisiert Haushalt, Schule und Betreuung allein. Das
Einkommen des Alleinerziehenden liegt vielleicht wenige Euro über der Grenze, um Leistungen aus
dem Bildungs- und Teilhabepaket zu erhalten. Eine Unterstützung für Klassenfahrten gibt es nicht.
Schulmaterialien müssen trotzdem gekauft werden. Das neue Paar Sportschuhe, weil die Alten nacheinem Wachstumsschub nicht mehr passen, muss trotzdem bezahlt werden. Die Rechnung für den
Vereinsbeitrag, das Schulprojekt oder den Ausflug kommt trotzdem.
Und dann fällt mit dem 16. Geburtstag des Kindes möglicherweise diese einspringende Leistung
weg, weil der Staat sparen muss.
„Wir fragen uns: Wo genau soll diese Familie noch sparen? Beim Schulranzen? Bei der Klassenfahrt?
Beim Mittagessen? Bei der Teilhabe am sozialen Leben? Kinder wachsen nicht aus ihren
Bedürfnissen heraus, nur weil sie 16 Jahre alt werden“, so der Aline Sommer-Noack.
Gerade die Jahre zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr sind entscheidend: Jugendliche befinden
sich häufig noch mitten in der schulischen Ausbildung, bereiten ihren Abschluss vor oder stehen am
Übergang in Ausbildung und Beruf. In dieser Phase brauchen Familien Verlässlichkeit – keine
zusätzlichen finanziellen Unsicherheiten.
Besonders kritisch ist: Die Diskussion erweckt den Eindruck, als seien ältere Kinder weniger
unterstützungsbedürftig. Das Gegenteil ist der Fall. Jugendliche haben weiterhin Kosten, weiterhin
Bildungswege und weiterhin Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe.
Besonders prekär, der Unterhaltsvorschuss gleicht nicht ein „Komfortproblem“ aus. Er federt eine
Situation ab, in der ein Elternteil seiner finanziellen Verantwortung nicht oder nicht ausreichend
nachkommt. Die Verantwortung für diese Situation darf nicht auf die Kinder übertragen werden.
Die Zahlen zeigen, dass Alleinerziehende ohnehin besonders unter finanziellen Belastungen stehen:
Rund 28,9 Prozent der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten gelten als armutsgefährdet.
Gleichzeitig diskutiert die Politik über Symbolthemen wie die Bundesjugendspiele, während zentrale
Herausforderungen im Bildungssystem ungelöst bleiben.
Dabei geht es dem Bundeselternrat ausdrücklich nicht darum, Sport oder Bewegung
geringzuschätzen. Kinder brauchen Bewegung. Sie brauchen Gemeinschaft. Sie brauchen
Förderung.
Aber sie brauchen vor allem eine Politik, die ihre tatsächliche Lebensrealität kennt.
Kinder brauchen:
- funktionierende Schulen,
- ausreichend Lehrkräfte,
- verlässliche psychologische Versorgung,
- Unterstützung für Familien,
- echte Chancengerechtigkeit.
„Kinder haben keine Lobby mit Millionenbudgets. Sie sitzen nicht an Verhandlungstischen und
schreiben keine Positionspapiere. Deshalb braucht es eine Politik, die ihre Interessen aktiv schützt“,
erklärt der Bundeselternrat.
Jeder Euro, der heute in Kinder und Jugendliche investiert wird, stärkt die Gesellschaft von morgen.
Jeder Euro, der bei Bildung, Unterstützung und Teilhabe fehlt, verursacht später höhere Kosten –
sozial-, gesellschafts- und wirtschaftspolitisch.
Der Bundeselternrat fordert die Bundesregierung auf, die Prioritäten neu zu setzen: Nicht bei Kindern
und Familien darf gespart werden. Wer die Zukunft dieses Landes sichern will, muss heute in Kinder
investieren.
Kinder sind keine Sparmaßnahme. Familien sind kein Nebenschauplatz. Es ist Zeit, die
richtigen Prioritäten zu setzen.
Der Bundeselternrat vertritt die Interessen von Eltern und Familien im deutschen
Bildungssystem und setzt sich für gute Bildung, Chancengerechtigkeit und die Beteiligung von
Eltern an bildungspolitischen Entscheidungen ein.
Kontakt
Aline Sommer-Noack
Bundeselternrat (BER)
Kontakt: info@bundeselternrat.de