
Kinder sind nicht das Problem – sie zeigen uns, wo die Probleme liegen.
Die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2026 der Robert Bosch Stiftung sind eindeutig: Fast jede zweite Lehrkraft (46 Prozent) nennt inzwischen das Verhalten von Schülerinnen und Schülern als größte Belastung im Schulalltag.
Zudem werden die wachsende Heterogenität, die hohe Arbeitsbelastung und fehlende Ressourcen als Kernprobleme genannt.
Wer diese Studie sowie viele andere Studien mit gleichem Tenor noch immer als Weckruf bezeichnet, hat die Lautstärke nicht verstanden.
Seit Jahren weisen Elternvertretungen, Lehrkräfte, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Jugendverbände und Wissenschaft auf dieselben Entwicklungen hin. Die psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Auch Mobbing bleibt weit verbreitet.
Die Ergebnisse des Schulbarometers dürfen nicht dazu führen, Kindern und Jugendlichen die Verantwortung für diese Entwicklungen zuzuschieben. Die Ursachen liegen weit tiefer.
Schulen übernehmen immer mehr gesellschaftliche Aufgaben, ohne die dafür notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen zu erhalten. Eine Lehrkraft kann nicht gleichzeitig Fachlehrkraft, Sozialarbeiterin, Psychologe, Therapeutin, Integrationskraft und Verwaltungskraft sein.
Wenn Kinder überfordert, psychisch belastet, verunsichert oder perspektivlos sind, zeigt sich das häufig im Verhalten. Schulen erleben dies als Folgen gesellschaftlicher Krisen unmittelbar – von Zukunftsängsten über soziale Spannungen bis hin zu den Auswirkungen permanenter digitaler Verfügbarkeit.
Kinder sind nicht das Problem – sie zeigen uns lediglich sehr deutlich, wo die Probleme liegen.
Während Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler die Folgen täglich in den Klassenzimmern erleben, diskutiert die Politik weiterhin über Symptome statt über Ursachen. Die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr, ob gehandelt werden muss – die Frage lautet, warum bisher nicht umfänglich gehandelt wurde.
Der Bundeselternrat betrachtet daher die aktuellen Überlegungen zu Einsparungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe mit großer Sorge.
„Wer in Zeiten steigender psychischer Belastungen, wachsender sozialer Herausforderungen und zunehmender Unterstützungsbedarfe bei Kindern und Jugendlichen über Kürzungen in der Jugendhilfe nachdenkt, setzt die falschen Prioritäten. Jeder Euro, der heute nicht in Prävention, Begleitung und Unterstützung investiert wird, wird morgen um ein Vielfaches in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Wirtschaft fehlen. Hinzu kommt der fehlende gesellschaftliche Zusammenhalt, der aus Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit erwächst“, erklärt Aline Sommer-Noack, Vorstand Bundeselternrat.
Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung durch Schulsozialarbeit, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie multiprofessionelle Teams. Sie brauchen wirksame Präventionsangebote gegen Mobbing und Gewalt. Sie brauchen Lehrkräfte, die Zeit für Bildung haben und nicht dauerhaft Krisenmanagement betreiben müssen.
Der Bundeselternrat fordert darum zum wiederholten Male Bund und Länder auf,
• Schulsozialarbeit flächendeckend auszubauen,
• die Versorgung mit Schulpsychologinnen und Schulpsychologen deutlich zu verbessern,
• multiprofessionelle Teams an allen Schulen zu etablieren,
• Präventionsprogramme gegen Mobbing und Gewalt dauerhaft zu finanzieren,
• Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben zu entlasten sowie
• die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen endlich als bildungspolitische Kernaufgabe zu anerkennen.
Das Deutsche Schulbarometer liefert die Daten – die Wissenschaft liefert die Erkenntnisse.
Schulen und Familien liefern seit Jahren die Erfahrungsberichte.
Was fehlt, sind nicht weitere Analysen – was fehlt, sind endlich politische Konsequenzen.
Aline Sommer-Noack
Vorstand Bundeselternrat
Pressekontakt:
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