Jugendschutz vor Verkaufsinteressen: Bundeselternrat fordert klare Regeln für Vape- Automaten im Umfeld von Kindern und Jugendliche

Der Bundeselternrat fordert Bund und Länder auf, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Nikotinprodukten konsequent zu stärken. Hintergrund ist die zunehmende Aufstellung von Verkaufsautomaten für E-Zigaretten („Vapes“) in unmittelbarer Nähe von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und anderen Orten, an denen sich junge Menschen regelmäßig aufhalten.

Elternvertretungen aus mehreren Bundesländern berichten übereinstimmend von dieser Entwicklung. Vape-Automaten stehen teilweise direkt auf Schulwegen oder im Umfeld von Freizeit- und Aufenthaltsorten von Kindern und Jugendlichen. Häufig befinden sie sich auf privat vermieteten Flächen oder in sogenannten 24/7-Pop-up-Stores.

„Was wir derzeit beobachten, ist kein lokales Einzelproblem, sondern ein bundesweites Phänomen“, erklärt der Bundeselternrat. „Wenn Produkte mit Suchtpotenzial ausgerechnet dort besonders präsent sind, wo Kinder und Jugendliche täglich unterwegs sind, läuft beim Jugendschutz etwas grundlegend schief.“

Niedrigschwelliger Zugang trotz Alterskontrolle

Zwar verfügen viele Automaten über eine Altersverifikation. Aus Elternsicht greift diese Maßnahme in der Praxis jedoch häufig zu kurz.

„Jeder, der Kinder oder Jugendliche im Haushalt hat, weiß, wie schnell ein Personalausweis einmal aus dem Geldbeutel verschwindet, ohne dass es jemand sofort bemerkt“, so der Bundeselternrat. „Ein technisches System allein ersetzt keinen wirksamen Jugendschutz.“

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das Eltern und Schulen zunehmend beobachten: Beschaffungs- und Verkaufsketten unter Jugendlichen selbst.

Ältere Jugendliche kaufen Vapes und verkaufen sie anschließend mit Gewinn an jüngere Schülerinnen und Schüler weiter.

„Das führt zu einer Dynamik, die wir aus anderen Bereichen der Suchtprävention bereits kennen“, erklärt der Bundeselternrat. „Je einfacher der Zugang zu einem Produkt ist, desto schneller entstehen informelle Beschaffungswege unter Jugendlichen.“

Gesundheitsrisiken und Suchtpotenzial

Vapes werden häufig als harmlos dargestellt. Tatsächlich enthalten viele Produkte Nikotin und besitzen ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial.

Hinzu kommt, dass insbesondere aromatisierte Produkte die Hemmschwelle für den Einstieg senken. Viele Aromen fördern eine tiefere Inhalation der Aerosole. Gleichzeitig können die beim Erhitzen entstehenden Inhaltsstoffe zusätzliche gesundheitliche Risiken bergen, deren langfristige Auswirkungen – insbesondere auf junge Menschen – noch nicht abschließend erforscht sind.

Gerade für Jugendliche können Nikotinprodukte langfristige gesundheitliche Folgen haben. Das betrifft insbesondere das sich noch entwickelnde Gehirn sowie das Risiko früher Abhängigkeit.

„Es kann nicht unser gesellschaftlicher Anspruch sein, dass Kinder auf dem Weg zur Schule an Automaten mit süß aromatisierten Nikotinprodukten vorbeigehen“, betont der Bundeselternrat. „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen muss hier eindeutig Vorrang haben.“

Kommunen brauchen Handlungsmöglichkeiten

Viele Städte und Gemeinden sehen die Entwicklung ebenfalls kritisch. Allerdings sind ihre Handlungsmöglichkeiten derzeit oft begrenzt – insbesondere dann, wenn Automaten auf privat vermieteten Flächen stehen.

Der Bundeselternrat fordert daher:

  • klare rechtliche Möglichkeiten für Bannkreise um Schulen, Kindergärten, Spielplätze und vergleichbare Einrichtungen
  • mehr Handlungsspielraum für Kommunen, um Vape- und Nikotinproduktautomaten im Umfeld von Kindern und Jugendlichen zu regulieren – auch auf privaten Flächen
  • eine Überprüfung der Altersverifikationssysteme bei Verkaufsautomaten
  • sowie eine Stärkung von Aufklärung und Suchtprävention im Bereich E-Zigaretten

„Kommunen dürfen beim Jugendschutz nicht mit leeren Händen dastehen“, so der Bundeselternrat. „Wenn Städte und Gemeinden ein Problem sehen, müssen sie auch rechtssicher handeln können.“

Unterstützung einer landesweiten Petition

Der Bundeselternrat ruft ausdrücklich zur Unterstützung einer aktuell gestarteten Petition auf, die strengere Regelungen für Vape-Automaten im Umfeld von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche fordert.

Der Bundeselternrat ruft Eltern, pädagogische Fachkräfte sowie Bürgerinnen und Bürger dazu auf, diese Initiative zu unterstützen und weiter zu verbreiten.

„Eltern aus verschiedenen Bundesländern berichten über die gleichen Entwicklungen. Nachdem Gesprächsanfragen beim zuständigen Ministerium bislang ohne Resonanz geblieben sind, wird diese Petition zeigen, wie viele Familien dieses Thema bewegt“, erklärt der Bundeselternrat. „Die Politik sollte dieses Signal ernst nehmen.“

Link zur Petition:
https://www.openpetition.de/qvwvf

Einladung zum Austausch mit dem Bundesministerium

Der Bundeselternrat lädt das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu einem Austausch über mögliche regulatorische Lösungen ein.

„Wir brauchen eine sachliche und lösungsorientierte Debatte darüber, wie Jugendschutz im öffentlichen Raum wirksam umgesetzt werden kann“, so der Bundeselternrat. „Kinder und Jugendliche müssen in ihrem Alltag geschützt werden – auch auf dem Schulweg und im öffentlichen Raum. Jugendschutz darf nicht erst dort beginnen, wo bereits Abhängigkeit entstanden ist.“

Aline Sommer-Noack
Dr.Imke Decius
Vorstand Bundeselternrat
Leitung AG schlau und gesund

Kontakt:
info@bundeselternrat.de

Das Forderungspapier wird unterstützt von:

Christiane Erbel
Vorstand Bundesarbeitsgemeinschaft Elternstimme in Prävention und Suchthilfe e.V.