
Für eine zeitgemäße Schule: Lehrpläne überprüfen, Prüfungsdruck senken und Unterricht sichern
„Ein Bildungssystem, das von Lehrermangel, Unterrichtsausfall, überladenen Lehrplänen und wachsendem Prüfungsdruck geprägt ist, verfehlt seinen eigentlichen Auftrag. Schule darf junge Menschen nicht verwalten und überfordern, sondern muss ihnen Bildung, Orientierung, Chancengerechtigkeit und die Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben vermitteln.“
Mit diesem Appell fordern die Fachausschüsse Real- und Hauptschulen sowie Gymnasien des Bundeselternrats eine grundlegende Überprüfung der Lehrpläne und Prüfungsanforderungen. Aus Sicht der Elternvertretungen erleben viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte den Schulalltag zunehmend als überfrachtet und stark auf Prüfungen ausgerichtet. Junge Menschen werden dabei aber nicht ausreichend auf die verschiedenen Anforderungen des Lebens vorbereitet.
„Schule muss Wissen vermitteln, Orientierung geben und junge Menschen stärken – nicht sie dauerhaft unter Prüfungsdruck setzen“, erklärt Anne-Karin Schaffrath, Vorsitzende des Fachausschusses Real- und Hauptschulen.
Die Fachausschüsse fordern, Lehrpläne konsequent darauf zu überprüfen, welche Inhalte für Alltag, Beruf, Studium und gesellschaftliche Teilhabe tatsächlich relevant sind. Nicht die Menge des Lernstoffs entscheidet über Bildungsqualität, sondern deren Relevanz und die Möglichkeit, Inhalte nachhaltig zu verstehen und anzuwenden.
Gleichzeitig muss die Vorbereitung auf Prüfungen deutlich verbessert werden. Noch immer sind viele Schülerinnen und Schüler gezwungen, sich wesentliche Lerninhalte eigenständig anzueignen, weil im Unterricht die Zeit fehlt. Verbindliche Vorbereitungskonzepte, transparente Anforderungen und ausreichende Übungsphasen sind daher unverzichtbar.
Auch bei einzelnen Fächern sehen die Fachausschüsse erheblichen Reformbedarf. Im Mathematikunterricht muss stärker differenziert werden, um Talente gezielt zu fördern und Überforderungen zu vermeiden. Die Lerninhalte sollten sich konsequent an den jeweiligen Bildungsabschlüssen orientieren und den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichen Voraussetzungen für ihre Abschlussprüfungen bieten.
Ebenso fordern die Fachausschüsse eine stärkere Gewichtung kreativer, technischer und naturwissenschaftlicher Fächer. Diese fördern Kreativität, Problemlösungskompetenz und Innovationsfähigkeit. In der Sekundarstufe I sollten grundlegende naturwissenschaftliche Kompetenzen in Physik, Chemie und Biologie gleichermaßen vermittelt werden.
Der Geschichtsunterricht soll stärker auf Demokratiebildung, gesellschaftliche Verantwortung und die Einordnung aktueller Entwicklungen ausgerichtet werden. Im Religionsunterricht sprechen sich die Fachausschüsse für eine stärkere Konzentration auf Ethik, Wertebildung und gesellschaftliches Zusammenleben aus.
Mit besonderer Sorge sehen die Elternvertretungen den zunehmenden Unterrichtsausfall. Lehrkräftemangel und krankheitsbedingte Ausfälle führen vielerorts (insbesondere in der Sekundarstufe II) zu ersatzlos ausfallendem Unterricht. Unbegleitetes Selbstlernen könne qualifizierten Unterricht nicht dauerhaft ersetzen.
„Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf verlässlichen Unterricht. Die Bundesländer müssen endlich wirksame Konzepte gegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall entwickeln und umsetzen“, erklären Anne-Karin Schaffrath und Michael Gehrhardt.
Darüber hinaus muss Schule junge Menschen stärker auf das gesellschaftliche Leben vorbereiten. Demokratieverständnis, Selbstbestimmung, Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit und Zusammenarbeit müssen im Schulalltag einen deutlich höheren Stellenwert erhalten.
Die Fachausschüsse betonen zudem, dass notwendige Bildungsreformen nicht allein aus Verwaltungsperspektive entwickelt werden dürfen. Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte müssten als diejenigen, die Schule täglich erleben, stärker in Reformprozesse eingebunden werden.
„Wir brauchen eine Schule, die junge Menschen auf das Leben vorbereitet – mit Wissen, Orientierung, Verantwortung, demokratischem Handeln und der Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Dafür müssen Lehrpläne, Prüfungsanforderungen und die Unterrichtsversorgung jetzt gemeinsam neu gedacht werden.“
Bundeselternrat
Fachausschüsse Real- und Hauptschulen sowie Gymnasien
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