P R E S S E M I T T E I L U N G

 

Oranienburg, den 07.08.2018

 

 

Handyverbote?

 

Das – vor einigen Tagen – in Frankreich verabschiedete Gesetz zum Verbot des Gebrauchs von Mobiltelefonen an französischen Schulen sieht der Bundeselternrat kritisch.

 

Eltern wollen ihre Kinder vor Gefahren schützen, viele sind der Meinung, dass Kinder erst einmal die grundlegenden Handwerkszeuge wie lesen, schreiben und rechnen erlernen müssen. Danach, so denken viele Eltern, können Kinder sich immer noch mit diesen neuen Themen auseinandersetzen.

 

Leider ist das ein Trugschluss. Der Umgang mit digitalen Medien ist inzwischen auch zur Kulturtechnik geworden; es braucht viele Fähigkeiten, die nicht mal eben nach der Schule erworben werden können.

 

Recherchieren wird eine, wenn nicht die Kulturtechnik, die unseren Kindern künftig die Kompetenz geben wird, die sie brauchen, um in unserer Gesellschaft ihren Platz zu behaupten.


Für erfolgreiche Recherchen ist eine weitere Kulturtechnik essentiell, das Bewerten der Plausibilität von Nachrichten. Das Internet macht jedem die Veröffentlichung von Inhalten so leicht wie nie zuvor, sodass der Wahrheitsgehalt jeder Information geprüft werden muss. Das kann aber nur leisten, wer über eine solide Grundbildung verfügt.

 

Die Fähigkeit zu erkennen, wann ein medial angebotener Inhalt einen weiter in Richtung seines Ziels bringt und wann nicht, braucht Disziplin. Es ist nicht leicht bei der Sache zu bleiben, wenn gerade wieder eine E-Mail, Chatnachricht oder Ähnliches um die Aufmerksamkeit buhlt.

 

Bewältigen von Medien­brüchen, wie das Lesen eines Buches und recherchieren ergänzender Inhalte im Netz; erkennen und bewerten der immer ausgefeilteren, teilweise sehr subtilen Motivations­systeme wird immer wichtiger. Mündig werden, sich selber vor der Entgrenzung durch digitale Medien bewahren wird lebensnotwendig.

 

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch kann sie die Menge der – neu zu erwerbenden Fähigkeiten – schon andeuten.

 

Die Generation Eltern, die mit der Einführung der ersten Handys schon erwachsen war, kennt viele dieser Probleme nur zu gut. Einerseits soll das Familienleben mit dem beruflichen Leben unter einen Hut gebracht werden und andererseits will auch noch dauernd etwas Neues gelernt werden, weil mal wieder eine neue App herausgekommen ist, die alle benutzen oder, weil durch ein Update für das Handy jetzt wieder alles anders, als bisher bedient wird.

 

Beim Smartshopping den wirklich günstigsten Preis finden, aber dabei nicht übervorteilt zu werden ist so schon schwer genug. Bei der nächsten Wahl eine informierte Entscheidung treffen, gerät mittlerweile fast zu einem Ding der Unmöglichkeit und wird deshalb oft aus dem Bauch entschieden.

 

Wenn französische Politiker die Smartphones aus den Schulen verbannen wollen, dann behindern sie Kinder beim Erwerb dieser Fähigkeiten. Ein Informatikraum in der Schule, der ein- bis zweimal der Woche zum Unterricht genutzt wird, ist eben nicht dasselbe wie das Smartphone in der Hosentasche.

 

Es sind unsere Kinder, die mit der Digitalisierung werden leben müssen. Allerdings wissen die jungen Erwachse­nen, die unser Bildungssystem verlassen, oft von all dem nur, dass das Handy auf dem Schulhof ausgeschaltet bleiben muss. Sie sind unserer Meinung nach, auf die Heraus­forderungen einer Welt von Handys, Computern und selbstfahrenden Verkehrsteilnehmern nicht gut vorbereitet.

 

Oft – das lehrt die Praxis – sind allerdings Lehrerinnen und Lehrer ebenfalls nicht ausreichend für die Vermittlung der notwendigen Kompetenzen ausgebildet und auch wir Eltern, können diese Aufgabe häufig nicht gut leisten.

 

Das kann erst besser werden, wenn wir Eltern eine Auseinandersetzung noch in der Schule mit der Digitalisierung fordern. Selbst wenn es erst wenige gute Beispiele für gelungenen digital gestützten Unterricht gibt, kann das nicht bedeuten, dass unsere Gesellschaft vor schulischen Problemen kapituliert und unseren Kindern das Erlernen dieser essentiellen Kulturtechniken versagt.

 

Aus diesen Gründen nimmt der Bundeselternrat die Entwicklung in Frankreich mit großer Besorgnis zur Kenntnis.

 

        

 

Ihr Ansprechpartner ist:

Bundeselternrat

E-Mail: info@bundeselternrat.de

Für Fragen und Stellungnahmen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Über den Bundeselternrat:

Der Bundeselternrat ist die Dachorganisation der Landeselternvertretungen in Deutschland.  Über seine Mitglieder vertritt er die Eltern von rund acht Millionen Kindern und Jugendlichen an allgemeinbildenden und an berufsbildenden Schulen. Der Vorstand des Bundeselternrates arbeitet ehrenamtlich.

 

Für eine bessere Lesbarkeit haben wir weitestgehend auf eine geschlechterspezifische Differenzierung verzichtet. Im Sinne der Gleichbehandlung gelten entsprechende Begriffe für beide Geschlechter.