P R E S S E M I T T E I L U N G

 

Oranienburg, den 09.04.2019

 

 

Schwerwiegende Brüche im Bildungsverlauf – „Schnittstellen“ müssen zu „Nahtstellen“ werden!

 

Zur Resolution „Bildung von Anfang an zu Ende denken“

 

 

„Einschulungskinder der 1. Klassen sind keine Bildungsanfänger - eingedenk der Diskussionen um die Qualität der Kindertagesstätten!“ stellten die Delegierten des Bundeselternrates am 31.03.2019 in Potsdam zu seiner Fachtagung „Übergänge im Bildungssystem“ fest.

 

Das gegenwärtige, gegliederte Schulsystem führe zu zahlreichen Übergängen im Bildungsverlauf. An diesen Schnittstellen gehen viele für die erfolgreiche Bildungs- und Erziehungspartnerschaft für den weiteren Lebenslauf der Kinder so nötigen Eltern verloren. Sie müssten gerade bei den Übergängen in die Lage versetzt werden, Entscheidungen für die Schullaufbahn im Sinne ihrer Kinder zu treffen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der Kinder beendet.

 

Jedoch: Durch unterschiedliche Gesetze und den damit zusammenhängenden trennenden Strukturen, aber auch Haltungen, wird eine gelungene pädagogische Übergabe nach dem „Staffelstab-Prinzip“ behindert. Nur durch ganz besonderen Mut zur Zusammenarbeit entstehen Beispiele wie das Bildungshaus Lurup in Hamburg, in dem die konstruktive Familieneinbeziehung jenseits der Ressortzuständigkeiten systematisch fortentwickelt wurde.

 

Zum Ende der Schulzeit - beim Übergang in den Berufseinstieg - ist die Trennung zwischen dem allgemeinbildenden Schulsystem und der Berufsausbildung im Grundsatz in Frage zu stellen. Das besondere Engagement für eine Überwindung dieser Systemgrenzen wurde auf der Fachtagung mit der Kooperativen Gesamtschule Schneverdingen aus Niedersachsen vorgestellt. Ihre Programme „JOBwärts“, „A(ZU)BIwärts“ und „UNIwärts“ zeigen, dass diese pädagogischen Übergangskonzepte von der Schule bis in den Beruf - beruhend auf der gewachsenen Bindung und Vertrauen zwischen Lehrer und Schüler und einem Maßnahmenkatalog zur Durchbrechung von Perspektivlosigkeit über die Schulzeit hinaus – außerordentlich erfolgreich ist. An dieser Schule im ländlichen Raum ist die Quote der Schulabbrecher auf circa 2% gesunken und die Übergangsquote für normalerweise schwervermittelbare Hauptschüler in den Beruf auf über 90 % gestiegen!

 

Vorhandene, berufsbezogene Unterstützungsstrukturen zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen (s. VerA, QuABB oder „Stark für Ausbildung“) sehen jedoch die Nachbetreuung der Schülerinnen und Schüler im ersten Ausbildungsjahr durch die vorherigen Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schule nicht vor - wegen vorhandener Systemgrenzen. 

 

„Mut und Offenheit, um erfolgreiche Initiativen als Modellprojekte anzuerkennen!“, appelliert der Bundeselternrat daher an die politisch Verantwortlichen.

Konzentriert und selbstkritisch verfolgten die Delegierten der Fachausschüsse für „Grundschule und frühkindliche Bildung“, „Berufsbildende Schulen“ und „Gesamt- und Gemeinschaftsschulen“ den gehaltreichen Vortrag des Bildungswissenschaftlers Ulrich Vieluf und ehemaligen Hamburger Staatsrats zum Einfluss des Eltern- und Lehrerverhaltens bei den Übergängen zwischen den Institutionen. 

 

Weitere Thesen und Forderungen sind der Resolution „Bildung von Anfang an zu Ende denken“ zu entnehmen.

 

 

 

Ihr Ansprechpartner ist:

Bundeselternrat

E-Mail: info@bundeselternrat.de

Für Fragen und Stellungnahmen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Über den Bundeselternrat:

Der Bundeselternrat ist die Dachorganisation der Landeselternvertretungen in Deutschland.  Über seine Mitglieder vertritt er die Eltern von rund acht Millionen Kindern und Jugendlichen an allgemeinbildenden und an berufsbildenden Schulen. Der Vorstand des Bundeselternrates arbeitet ehrenamtlich.

 

Für eine bessere Lesbarkeit haben wir weitestgehend auf eine geschlechterspezifische Differenzierung verzichtet. Im Sinne der Gleichbehandlung gelten entsprechende Begriffe für alle Geschlechter.