
Herkunft darf nicht über Zukunft entscheiden
Der aktuell vorgestellte Nationale Bildungsbericht 2026 zeigt erneut, dass der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland noch immer stark von ihrer sozialen Herkunft beeinflusst wird. Gleichzeitig werden Leistungsrückgänge, ein anhaltender Fachkräftemangel, Herausforderungen beim Ausbau der Ganztagsbetreuung sowie zunehmende Belastungen für Schülerinnen und Schüler deutlich.
Für den Bundeselternrat sind diese Erkenntnisse alarmierend – aber leider nicht überraschend.
„Der Nationale Bildungsbericht bestätigt, worauf Elternvertretungen seit Jahren aufmerksam machen: In Deutschland entscheidet die Herkunft eines Kindes noch immer zu häufig über seine Bildungschancen. Gleichzeitig kämpfen Schulen mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und einer wachsenden Heterogenität der Schülerschaft. Es reicht nicht mehr, diese Probleme regelmäßig zu dokumentieren – jetzt müssen endlich wirksame politische Konsequenzen folgen“, erklärt der Bundeselternrat.
Besonders kritisch bewertet der Bundeselternrat, dass trotz zahlreicher Reformen und Förderprogramme die Bildungsgerechtigkeit weiterhin nicht ausreichend verbessert werden konnte. Kinder und Jugendliche dürfen nicht aufgrund ihrer sozialen oder finanziellen Voraussetzungen oder ihres Wohnortes unterschiedliche Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe haben.
Der Bericht macht zudem deutlich, dass erfolgreiche Bildungsbiografien bereits in der frühen Kindheit beginnen. Hochwertige frühkindliche Bildung, gezielte Sprachförderung, ausreichend qualifizierte Fachkräfte sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindertagesstätten und Schulen bilden die Grundlage für gelingende Bildungswege.
Auch der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird nur dann zum Erfolg, wenn Qualität und Ressourcen gleichermaßen mitgedacht werden. Zusätzliche Betreuungsplätze allein reichen nicht aus. Kinder benötigen Zeit für individuelle Förderung, verlässliche Beziehungen und soziale Entwicklung. Dafür braucht es ausreichend qualifiziertes Personal, geeignete Räumlichkeiten und ein pädagogisch tragfähiges Gesamtkonzept.
Der Bundeselternrat fordert Bund, Länder und Kommunen daher auf, die Ergebnisse des Bildungsberichts zum Anlass für entschlossenes Handeln zu nehmen. Notwendig sind gezielte Investitionen in benachteiligte Kinder und Jugendliche, eine nachhaltige Strategie zur Sicherung des Fachkräftebedarfs, die Stärkung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie eine konsequente Einbindung der Eltern als gleichberechtigte Bildungspartner.
Der Nationale Bildungsbericht 2026 liefert die notwendigen Daten und Analysen. Was jetzt fehlt, sind nicht weitere Erkenntnisse, sondern der politische Wille, daraus konkrete Verbesserungen für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland abzuleiten.
Bildungsgerechtigkeit darf kein Ziel auf dem Papier bleiben – sie muss endlich gelebte Realität werden.
Aline Sommer-Noack
Stellv. Vorsitzende Bundeselternrat
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