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BER-News Nr. 13
Oktober/2005

 

Vom 23. – 25. September fand in der Nähe von Potsdam eine Tagung des Hauptausschusses des Bundeselternrates statt. Nachdem es in jüngster Zeit vereinzelt Kritik an der Position des Bundeselternrates zum Thema „Länger gemeinsam lernen“ gab, sollte es auch darum gehen, die unterschiedlichen Positionen noch einmal zu bedenken und eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Zum Hauptausschuss gehören neben dem Vorstand des BER die Vorsitzenden der Landeselternvertretungen und der schulbezogenen BER-Ausschüsse. Erster Schwerpunkt des Wochenendes war das Thema „Länger gemeinsam lernen“. Am Freitagabend feierten die BER-Delegierten zusammen mit vielen Mitgliedern aus den anderen in der „Initiative Länger gemeinsam lernen“ zusammengeschlossenen Verbände ein Bildungsfest. Im Mittelpunkt stand die Rede von Professorin. Dr. Rita Süssmuth, die auf große Resonanz stieß.

Am Samstag stellten sich im Hauptausschuss vier Initiativen vor: Alle haben sie das Ziel, die gemeinsame Schulzeit zu verlängern. Die Vorstellung dieser Initiativen finden Sie ebenfalls in diesen BER-NEWS. Ein zweiter Schwerpunkt des Wochenendes war die Vorbereitung der BER-Tagungen für das Jahr 2006. Die Termine und Themen sind weiter unten aufgeführt. Darüber hinaus wurden Vorbereitungen getroffen, die Arbeit des Bundeselternrates weiter zu professionalisieren und die Informationen für die Elternvertreter in den Schulen zugänglich zu machen. Wichtiger Bausteine sind dazu die BER-NEWS, die jeder Elternvertreter bekommen sollte. 

Ganz aktuell fügen wir unsere Presseerklärung zum Beschluss der Kultusministerkonferenz, an der OECD-Lehrer-Studie nicht mehr teilzunehmen, bei

Mit herbstlichen Grüßen
Wilfried W. Steinert Vorsitzender

PRESSEERKLÄRUNG DES BUNDESELTERNRATES ORANIENBURG, 05. OKTOBER 2005
Abschied von der Zukunft Eltern kritisieren den Ausstieg aus der OECD-Lehrerstudie
Seit Jahren fordert der Bundeselternrat eine Reform der Lehrerbildung und eine deutlich verbesserte Qualifikation der Lehrer für Erziehung und Bildung. Leider beschränkt sich die Reform der Lehrerausbildung derzeit darauf, Staatsexamen in Bachelor- und Masterabschlüsse zu verwandeln und damit einfach nur den alten Inhalt in eine neue Struktur zu zwängen. Die Voruntersuchung der OECD-Lehrer-Studie brachte frischen Wind in die Diskussion. Neben vielen inhaltlichen Verbesserungen wurden die Abschaffung des Beamtenstatus, eine leistungsabhängige Bezahlung und eine „Kultur der Leistungsüberprüfung“ gefordert. Der Vorsitzende des Bundeselternrats Wilfried W. Steinert erklärt dazu: „Eine Bildungsreform im Sinne unserer Kinder beginnt mit einer Reform der Ausbildung der künftigen Lehrkräfte. Der internationale Vergleich im Rahmen der OECD-Studie kann dazu wichtige Hinweise geben. Wenn es nicht gelingt, unser Bildungssystem zukunftsfähig zu gestalten, verabschieden wir uns vom internationalen Wettbewerb - und damit von den Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen! Deshalb fordern wir die Kultusminister auf, den Beschluss zum Ausstieg aus der OECD-Lehrerstudie rückgängig zu machen und sich der Herausforderung durch den internationalen Vergleich zu stellen.“ Die hohe Bedeutung des Lehrerberufs für die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft erfordert es, sich international zu messen, auf Kritik einzugehen, Korrekturen und Reformen einzuleiten. Lehrerinnen und Lehrer nehmen in der Bildungsreform die Schlüsselrolle ein: „Lehrersein ist eine große Aufgabe, eine der wichtigsten, der Gesellschaft verpflichteten Professionen. Lehrersein ist eine Berufung und alles andere als ein einfacher Beruf. Lehrersein bedeutet, Kindern Flügel zu verleihen.“, heißt es in einem Beitrag des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zur Reform der Lehrerbildung. Deshalb brauchen wir die kritische Analyse von außen. Dann können Lehrerinnen und Lehrer auch wieder ein angemessenes Ansehen und die Hochachtung der Gesellschaft gewinnen.

DIE STELLUNGNAHME DES BUNDESELTERNRATES ZUM THEMA „LÄNGER GEMEINSAM LERNEN
Stellungnahme des Bundeselternrats zur Diskussion um die Schulstruktur bei der Hauptausschusstagung vom 23. bis zum 25. September 2005 in Potsdam-Geltow

Der Hauptausschuss des Bundeselternrats bestätigt die in den bisherigen Stellungnahmen deutlich gemachte Position zum Thema „Länger gemeinsam lernen“ und fordert gleichzeitig einen ergebnisoffenen Diskurs darüber. 3 Schule und Unterricht müssen so gestaltet werden, dass kein Kind verloren geht, aufgegeben oder abgeschoben wird. In einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess muss die Schule als Lern- und Lebensraum für Schülerinnen und Schüler gestaltet werden, die Verbesserung der Unterrichtsqualität hat Vorrang. Gleichzeitig müssen Schulen ermutigt und befähigt werden, neue Wege bis hin zu einer guten Schule für alle zu gehen. Das Schulwesen der Zukunft muss aus dem bestehenden entwickelt werden. Schule ist Teil unserer demokratischen Gesellschaft: Alle mitnehmen, keinen zurücklassen. Schule ist ein Ort der Erziehung, des Lernens und des Lebens: Jedes Kind hat das Recht, in der Schule erfolgreich zu lernen und Sozialkompetenz zu erwerben. Wir wissen, dass die Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems und die Entwicklung einer neuen Schule für alle keine Allheilmittel für die Lösung aller Probleme unseres Schulsystems sind. Wir sehen es aber als unbedingt erforderlich an, dass in der Gesellschaft ein ergebnisoffener Diskurs über diese Frage stattfindet. Kurzfristig ist ein Bündel von Reformschritten erforderlich: Fördermaßnahmen so früh wie möglich Ganztagsschulen mit ganzheitlichen pädagogischen Konzepten Individuelle Förder- und Lehrpläne für jedes Kind als Teil eines differenzierten Unterstützungssystems an jeder Schule Verbesserte Unterrichtskultur und –qualität und entsprechende Lehrerbildung Bildungsstandards als Mindeststandards und sinnvolle Feedback- und Evaluationsstrukturen In der Weiterentwicklung unseres Schulsystems und der Verbesserung der Unterrichtsqualität müssen alle gemeinsam arbeiten: Alle Schulformen, alle Eltern, alle Lehrerinnen und Lehrer, alle Schülerinnen und Schüler müssen sich gleichermaßen in diesen Prozess einbringen (können) – unabhängig davon, ob sie dem gegliederten oder einem integrierten Schulsystem angehören.

BERICHT VOM BILDUNGSFEST „LÄNGER GEMEINSAM LERNEN
Die „Initiative Länger gemeinsam lernen“ will Schulen ermuntern, die eigene Arbeit unter die Lupe zu nehmen. Dabei liegt der Fokus auf der individuellen Förderung aller Kinder sowie Schritten zu mehr Chancengleichheit im Schulwesen. Unter dem Titel „PISA-Lupe“ macht das Bündnis mit einem Flyer und auf seiner Website Vorschläge, wie Schulen diese Ziele verwirklichen können. Zu den Mitgliedern der Initiative zählen pädagogische Fachverbände sowie Kinder-, Lehrer-, Elternund Schülervertretungen.

Am Freitag, dem 23.9.2005 stellte sich die Initiative im Rahmen des Bildungsfests „Länger gemeinsam lernen“ der Öffentlichkeit vor. Musik, Redebeiträge und kabarettistische Zwischenrufe standen auf dem Programm. In Gesprächsrunden diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft sowie aus Eltern- und Schülerverbänden über das längere gemeinsame Lernen und die Entwicklungsmöglichkeiten von Schulen.

Festreferat von Prof. Dr. Rita Süssmuth, oder: Auf der Suche nach dem katholischen Bischof
Frau Süssmuth ist eine überzeugte Verfechterin der Vorteile des Lernens in heterogenen Gruppen. In ihrer sehr unterhaltsamen Rede umriss sie die Schwachstellen des gegenwärtigen Bildungswesens und wies auf die zukünftigen Herausforderungen hin, die eine Veränderung erforderlich machen. Eine ihre ersten Aussagen war: „Die deutsche Schule ist eine Stände-Schule“, d.h. sie geht von einer ständischen Gesellschaftsordnung aus, in der jeder in der Stellung bleibt, in die er hinein geboren wurde. Z.B. der Sohn eines Handwerkers wird Handwerker und der Sohn eines Arztes wird selber Arzt. Diese Art von Schule ist in einer modernen, demokratischen Gesellschaft völlig überholt. Demographische und ökonomische Faktoren machen einen dringenden Wandel des Bildungswesens unerlässlich. Wenn 20% eines Jahrganges nur bedingt ausbildungsfähig sind, dann ist dies bei sinkenden Schülerzahlen und steigendem internationalem Wettbewerb ein enormer Verlust, den Deutschland sich nicht mehr leisten kann. Es ist wichtig zu erkennen, dass es die Schule ist, die versagt – und nicht die Jugendlichen! Deshalb muss sich die Schule ändern. Frau Süssmuth betonte mehrmals, dass eine Strukturveränderung nicht alle Übel heilen könne. Die Strukturdebatte führt schnell zu einer Polarisierung der Lage und: „Damit haben wir gute Feindbilder, aber keine gute Lösungen.“ Wichtig jedoch sei es, von der Vorstellung der homogenen Lerngruppen Abschied zu nehmen. In den meisten Bundesländern kommen die Kinder nach der vierten Klasse auf eine Hauptschule, eine Realschule oder ein Gymnasium. So sollen ähnlich „begabte“ Kinder Gruppen bilden, die ähnlich schnell oder langsam lernen. Diese traditionelle Vorstellung der homogenen Klasse wird von einem Unterrichtsstil begleitet, der alle gleich behandelt und von allen dasselbe verlangt. Auf die Defizite dieser Sichtweise wies Frau Süssmuth mit einer rhetorischen Frage hin: „Wenn wir so gut sortieren, warum haben wir nicht bessere Ergebnisse?“ Wirklich homogene Lerngruppen kommen auf Grund von Fehlern in der Selektion in den verschiedenen Schulformen nicht zustande, andererseits werden wichtige Kompetenzen für das zukünftige Arbeitsleben nur unzureichend gefördert. In der Wirtschaft sind heterogene Gruppen kreativer und produktiver als homogene. In kanadischen Schulen z.B. fördern heterogene Lerngruppen

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Rita Süssmuth
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Rita Süssmuth, geboren 1937, Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D. Studium der Romanistik und Geschichte an den Universitäten Münster, Tübingen und Sorbonne (Paris); Postgraduiertenstudium in Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie, 1964 Promotion. 1969 Wissenschaftliche Rätin und Professorin für Erziehungswissenschaft an der Ruhr- Universität Bochum. Ab 1971 Lehrstuhl für International Vergleichende Erziehungswissenschaft an der PH Ruhr/Universität Dortmund. 1982 bis 1985 Direktorin des Forschungsinstituts "Frau und Gesellschaft" (Hannover); seit 2003 Honorarprofessorin an der Universität Göttingen. 1980 bis 1985 Vizepräsidentin des Familienbundes der Deutschen Katholiken; 1982 bis 1985 Vorsitzende der Kommission "Ehe und Familie" beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Seit 1988 Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes. 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, im Juli 1986 Erweiterung des Ressorts um die Zuständigkeit für Frauenfragen (erste Frauenministerin auf Bundesebene). 1987 bis 2002 Bundestagsabgeordnete der CDU; 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin. 2000 bis 2003 Vizepräsidentin der OSZE; von September 2000 bis Juli 2001 Vorsitzende der Unabhängigen Kommission "Zuwanderung", seit September 2002 Vorsitzende des unabhängigen Zuwanderungsrates. Ehrendoktorwürden der Universitäten Augsburg, Bochum, Hildesheim, Weliko Tarnowo (Bulgarien), Sorbonne Novell-Paris III sowie der Johns-Hopkins- University in Baltimore und der Ben-Gurion-Universität in Beersheva. das soziale Lernen. In Finnland fördert ein individualisierter Unterricht, der Stärken auslotet und nicht nur Schwächen bloß stellt, ein robustes Selbstwertgefühl. In diesem Zusammenhang war es Frau Süssmuth wichtig, auf die selektive Wahrnehmung der Ergebnisse der ersten PISA-Studie hinzuweisen. Viele sind nach Finnland und Schweden gereist, aber jeder sah nur das, was er sehen wollte. Wenn nur eine Wahrnehmung immer wieder propagiert wird, wird sie allmählich als die Wahrheit akzeptiert. Deshalb ist es immer wichtig dagegen zu halten, auf andere Interpretationen hinzuweisen und Widerstand zu leisten. Heterogene Lerngruppen sind jedoch nicht die einzige Maßnahme, um Schule zu verbessern. Weitere wichtige Aufgaben sind: Die Überwindung der Trennung zwischen Bildung und Betreuung. Dies gilt sowohl für den vorschulischen Bereich, da der Kindergarten auch einen Bildungsauftrag hat, als auch für die Schule, die einen erzieherischen Auftrag hat. Eine rhythmisierte Ganztagsschule (nicht nur Unterricht am Vormittag und Betreuung für sozial Benachteiligte am Nachmittag) bietet die Zeit, Kinder und Jugendliche zu befähigen, selbständige und eigenverantwortliche Persönlichkeiten zu werden. In der Fragerunde gab Frau Süssmuth ein inspirierendes Beispiel dafür wie schwierige Ziele erreicht werden können: Manchmal sind die Positionen in einer Debatte so festgefahren, dass es eine neue phantasievolle Strategie braucht, um die Gegensätze zu überbrücken. Frau Süssmuth erzählte von der Kampagne, Vergewaltigung in der Ehe strafbar zu machen. Nach 25 Jahren konnten sie und ihre Verbündenten die Parteifreunde in der CDU/CSU immer noch nicht überzeugen. Auf der Suche nach einer neuen Strategie kamen sie auf die Idee, eine öffentliche Figur zu finden, der glaubwürdig genug wäre, um ihre Fraktion in Bewegung zu bringen. Deshalb machten sie sich auf der Suche nach einem katholischen Bischof. Nachdem sie einen gefunden hatten, der ihr Gesetzesvorhaben unterstützte, gelang es mit seiner Hilfe, den Widerstand in ihrer Fraktion zu überwinden und das Gesetz zu verabschieden. Ein solcher „katholischer Bischof“ ist wohl nötig, die Debatte um längeres gemeinsames Lernen in einen offenen und breiten gesellschaftlichen Diskurs einmünden zu lassen.

Gesprächsrunde: Berichte aus der Praxis
In einer kurzen Gesprächsrunde berichtete Doris Barzen (Vorsitzende des Arbeitskreises Gesamtelternbeiräte Baden-Württemberg) über Schwierigkeiten, Eltern davon zu überzeugen, dass es Quelle: Pressestelle der Universität Osnabrück 6 neben dem traditionellen Gymnasium auch andere Schulformen und Unterrichtsmethoden gibt, die zu guten Lernergebnissen führen können. Ein Teil des Problems ist, dass die meisten Eltern ein veraltetes Bild der Schule aus ihrer eigenen Vergangenheit haben (die sie mehr oder minder gut überlebt haben), und wenig über pädagogische Fortschritte der letzten Jahre wissen. Deshalb plädierte sie für mehr Informationen für Eltern: „Handwerkszeug, Unterstützung und Erfahrungsberichte“, so dass sie für die Debatten besser gerüstet sind. Danach berichtete Vincent Steinl (ehemaliges Mitglied der LandesschülerInnenvertretung, Bayern) über seinen Versuch, die PISA-Lupe an seinem Gymnasium anzuwenden. Dabei stieß er auf diverse Schwierigkeiten: Träge Zufriedenheit machte eine Diskussion über die Weiterentwicklung der Schule schwierig, Manchen Schülern war es nicht bewusst, wie viele Klassenkameraden sie seit der Grundschule aus dem Auge verloren hatten, nur weil sie auf andere Schulformen verteilt wurden, Die Schule blockte Fragen zur sozialen Herkunft der Schülerschaft mit dem Hinweis auf die Datenschutzgesetze ab. Darauf antwortete Professor Dr. Ulf Preuss-Lausitz (Institut für Erziehungswissenschaften der TU Berlin), dass Gymnasien viel seltener über ihr Tun reflektieren als andere Schulformen, vielleicht, weil sie weniger schlagzeilenträchtige Probleme haben. Ferner wies er darauf hin, dass Schulen nicht immer auf Gesetzesänderungen warten müssen. Eine Schulkonferenz könnte beschließen, alle Schüler zu versetzen. Anstatt Klassen zu wiederholen oder gar die Schule zu verlassen, können individuelle Förderpläne entwickelt werden. Preuss-Lausitz kritisierte, dass die Frage der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen häufig aus der Debatte ausgeklammert wird. Er erinnert daran, dass auch diese Kinder und Jugendliche in eine gemeinsame Schule und nicht an Rande der Gesellschaft gehören. Ein Teil der Argumentation für das Von Vincent Steinl: Es war einmal die dumme Jule, die ging auf die Hauptschule. Und dann war da noch der Peter, der war ein klein wenig mehr clever und hatte Eltern im Angestelltentum, die schickten ihn auf die Realschulinstitution. Außerdem noch der Klaus, dessen Eltern hatten ein eigenes Haus und mehrere Aktienpakete und auch studiert; das wurde dem Klaus natürlich goutiert und so kam er aufs Gymnasium und wurde ganz und gar nicht dumm. Alles also in bester Ordnung. Doch dann kamen in den 70er Jahren die Linken, (na ja, die Bezeichnung mag ein wenig hinken) und gründeten Gesamtschulen um um mehr Pädagogik zu buhlen. Doch das klappte nicht so ganz. Es gab Protest. Denn Klauses und Peters Eltern hassten Jule wie die Pest. So gingen sie auf Straße: Und sangen "Gegen Nivellierung auf mittlerem Maße!" Und irgendwo hatten sie ja auch ein wenig Recht. Zwar war die Jule nicht mehr ganz so schlecht. Doch hinderte das System immer noch Peter und Klaus am Lernen. Hiermit könnte ich jetzt enden. Doch ich möchte es nicht dabei bewenden lassen [beachten Sie den Enjambement] sondern ein wenig visionieren und eine Schule für alle installieren. Die Zauberei ist jetzt aus. Zufrieden sind nun auch die Eltern von Peter und Klaus. Deshalb bitte ich um Applaus, verehrtes Publikum, aber vorher noch eine Aufforderung: Nämlich Ihren Aktionsradius zu weiten Und alle gemeinsam mit aller Kraft Für eine Schule für alle zu streiten. 7 dreigliedrige Schulsystem ist ein Begabungsbegriff, der Menschen in verschiedene Begabungstypen unterteilt. Danach gibt es die Praktischbegabten (Hauptschüler) und die Theoretischbegabten (Gymnasiasten). Preuss-Lausitz sagte, psychologische Forschung zeige, dass solche Typen von Geburt an nicht verfestigt seien. Deshalb muss es Ziel der Schule sein, die Entwicklung jedes Schülers zu unterstützen, und sie nicht zu früh in eine Richtung zu drängen. In öffentlichen Debatten wird die Grundannahme eines festen, angeborenen Begabungstypen viel zu wenig in Frage gestellt. 

Zusammenfassung
Der Abend hat gezeigt, dass viele Menschen von der Notwendigkeit einer tief greifenden Reform des deutschen Bildungssystems überzeugt sind. Dazu gehören Eltern, Schüler, Lehrer, Wissenschaftler und Vertreter der Wirtschaft und der Kirchen. Viele Versuche, die politisch Verantwortlichen in den Ländern zu überzeugen, scheitern jedoch an der Reaktion, „wir wollen keine Strukturdebatte führen“. Die Beiträge in diesem Newsletter erhalten Hinwese für den Weg aus dem Dilemma. Zwei sind besonders nennenswert: Klein anfangen. Wenn genug einzelne Schulen die ersten Schritte machen, werden sie eines Tages die Mehrheit sein. Die vielen verschiedenen Ansätze zeigen, dass es so viele Wege wie Schulen gibt. Frau Süssmuth empfahl „aktivierende Mitarbeit“ und andere betonten, „es gibt keinen Zauberstab“. Der Vorwurf, dass uns eine Strukturdebatte nicht weiterhilft, muss überwunden werden. Wie Wilfried Steinert in seinem Schlusswort sagte, „Wir wollen keine Feindbilder aufstellen, sondern alle ins Boot holen“. Dafür sind Verbündete wichtig, wie eben der „katholische Bischof“.

INITIATIVEN UND AKTIONEN, DIE LÄNGERES GEMEINSAMES LERNEN FORDERN, STELLEN SICH VOR Initiative Länger gemeinsam lernen (www.laenger-gemeinsam-lernen.de)
Die Leitideen der 2001 gegründeten Initiative sind in ihrer Grundsatzposition wiedergeben. Hier ein Auszug von ihrer Website: Eine gemeinsame Schule für alle muss eine Schule sein, die Verschiedenheit respektiert und nicht von allen das Gleiche verlangt, sondern jedes einzelne Mädchen und jeden einzelnen Jungen in seiner Gesamtentwicklung unterstützt und dafür sorgt, dass beim miteinander und voneinander Lernen individuelle Fähigkeiten und soziale Kompetenzen optimal entwickelt werden können. Bei der Umsetzung eines solchen Vorhabens kann man sehr schnell in einer unproduktiven Strukturdebatte landen. Hierbei sind die Positionen so fest gefahren, dass es meistens kein Weiterkommen gibt. Anstatt an dieser Debatte zu scheitern, schlägt die Initiative vor, Veränderungen ganz unten – in den einzelnen Schulen – anzufangen. Zu diesem Zweck wurde die „PISA-Lupe“ (www.laenger-gemeinsamlernen. de/pisalupe.html) entwickelt. Einerseits wird nach den Gründsätzen aus Lehrerund Schülersicht gefragt und inwieweit sie dem „finnischen Denken“, der gegenseitigen Wertschätzung, des Förderns und Forderns entsprechen. Darüber hinaus wird die Herkunft der Schülerschaft untersucht und wie weit die Leistungen der verschiedenen Gruppen sich unterscheiden. Somit werden der Unterrichtsstil und der tatsächliche Einfluss der sozialen Herkunft auf einzelnen Schülern thematisiert. Über diese viel diskutierte Begriffe soll am konkreten Beispiel der eigenen Schule reflektiert werden. So soll die Debatte zwischen Eltern, Schülern und Lehrkräften über die zukünftige Schulentwicklung voran getrieben werden.

GEW: Eine gute Schule für alle
Martina Schmerr, GEW 8 Wer mehr über positive Erfahrungen mit Vielfalt im Klassenzimmer erfahren möchte, kann einen Film von der GEW bestellen: Das können wir doch auch! Wie Schulen in Deutschland mit Heterogenität umgehen. Ein VHS-Film von Paul Schwarz im Auftrag der GEW. Er zeigt zahlreiche anregende Beispiele aus dem Unterricht, wie mit heterogenen Lerngruppen erfolgreich gearbeitet werden kann. Laufzeit 45 Minuten. Inkl. Box und vierseitiger Begleitkarte. Kosten: 15€ zzgl. 6,21€ für Verpackung und Versand. Bestellungen bei: www.gew-shop.de oder Tel: 0180/50 50 401 Neben ihrer Mitgliedschaft in der Initiative Länger gemeinsam lernen hat die GEW auch ihre eigene Initiative für eine Reform der Schulen gestartet. Vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen und der guten Ergebnisse der PISA-Sieger Finnland und Schweden macht sich die Gewerkschaft stark für mehr Integration und Inklusion in allen Schulformen. Denn nicht nur die Schulstruktur ist ausschlaggebend, sondern was im Klassenzimmer passiert. In ihrem Programm schreibt die GEW: Wir wollen keine Schulen "abschaffen". Die bestehenden Schulen sollen vielmehr einen neuen integrativen Auftrag bekommen: Fördern statt auslesen. Die jungen Menschen haben Anspruch auf bestmögliche individuelle Förderung ohne Sitzenlassen und zwangsweise Leistungshomogenisierung. Folgende Schritte schlägt die GEW vor: Eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Grundsätze, Werte und Ziele des Schulwesens soll vorangetrieben werden. Diese soll keine reine Strukturdebatte sein, sondern sie soll inhaltlich und methodisch geführt werden, Die Kommunen sollen mehr Spielraum erhalten, ihr Schulangebot im Sinne einer guten Schule für alle Kinder in integrativen Strukturen zu organisieren, Die einzelnen Schulen erhalten den Auftrag und die notwendige Unterstützung, ihre Pädagogik nach den Grundsätzen der individuellen Förderung beschämungs- und barrierefrei auszurichten. Darüber hinaus muss in der Lehreraus- und Fortbildung mehr Gewicht auf den Umgang mit heterogenen Lerngruppen gelegt werden. Dazu habt die GEW das Netzwerk „Lehren und Lernen in heterogenen Gruppen“ gegründet (www.netzwerk-heterogenitaet.de)

Für eine neue Schule Prof. Dr. Hans-Martin Lübking, Pädagogisches Institut der evangelischen Kirche von Westfalen Lübking ist der Meinung, das dreigliedrige Schulsystem müsste abgeschafft werden. Ein Grund liegt in der demographischen Entwicklung: in manchen ländlichen Regionen (vor allem in den neuen Bundesländern, aber auch z.B. in Schleswig-Holstein) gibt es nicht genug Schüler in einem Einzugsgebiet, um drei Schulformen aufrecht zu erhalten. Ein zweiter Grund sind die Schülerleistungen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland die homogensten Klassen aber die heterogensten Leistungen. Zu viele Schüler werden entweder bei der Einschulung zurückgestuft oder bleiben sitzen (40%) und zuwenig machen das Abitur (30% im Durchschnitt). Das jetzige System verfestige den sozialen Status und entlasse eine „Bildungsunterschicht“ aus den Hauptschulen, die durch ihr verlorenes Potenzial Probleme für die ganze Gesellschaft verursacht. Er berichtete über den Aufruf „Für eine neue Schule“, die in Nordrhein-Westfalen angefangen hat, seitdem Unterstützung im ganzen Bundesgebiet findet. Die Initiatoren sammelten Unterschriften für ihr Programm „Drei Ziele –Drei Schritte“. Im Wesentlichen sind die drei Ziele: 1. Schule ist Teil einer demokratischen Gesellschaft: Alle mitnehmen, keinen zurücklassen 2. Schule ist Ort der Erziehung und des Lernens: Jedes Kind hat das Recht, in der Schule erfolgreich zu lernen 3. Bildung ist wertvoll, Schule ist es uns wert 9 Und die drei Schritte: 1. Öffentliche Diskussion: Sie soll fair, kreativ und nicht an Partei- und Verbandsinteressen orientiert sein; sie soll sich der Frage verpflichtet fühlen, wie die Fähigkeiten aller Kinder optimal entwickelt und Bildungsbarrieren abgebaut werden können. 2. In der Ganztagsschule zusammen lernen und leben 3. Länger gemeinsam lernen (www.landeselternrat.de/archiv/Neue_Schule.pdf) 4. Während der Laufzeit des Aufrufes wurden 3.500 Unterschriften gesammelt. Im März 2006 soll eine Fachtagung mit Verbänden (auch aus der Wirtschaft) in Dortmund stattfinden, um die angefangene Debatte weiter zu verbreiten. Außerdem wies Lübking darauf hin, dass eine Reform ohne die Schüler nicht zu machen ist. Ferner empfahl er, Kirchenvertreter auf Landesebene in die Debatte mit einzubeziehen.

Schule machen
Christina Plaß, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (www.dkjs.de) Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung wurde 1994 gegründet und unterstützt Projekte und Programme, die das Ziel haben, Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, ihr Leben selbstbewusst, couragiert und in eigener Initiative zu gestalten. Inzwischen haben sie über 6000 Projekte verwirklicht und über 70 Partner und Förderer gewonnen. Eines der bekanntesten Projekte ist „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“, das nicht nur auf Vernetzung unter realisierten und geplanten Ganztagsschulen setzt, sondern auch ein Wettbewerb für den innovativen Umgang mit dem Ganztagsbetrieb gestaltet (siehe www.ganztaegig-lernen.org). Im Dezember 2004 fing das Projekt, „Schule machen“ an. Plaß sagte, es soll helfen, „vom Jammern zum Handeln“ zu kommen. Das Herz des Projektes ist die Website (www.schulemachen.de), die eine Ideenwerkstatt, ein Diskussionsforum und die Möglichkeit zum allgemeinen Informationsaustausch anbietet. Besonders inspirierend sind das „Projekt des Monats“ und „Ausgezeichnet Schule gemacht!“, die erfolgreiche Projekte vorstellen. Hier ist zu sehen, wie unterschiedlich die Ansätze sind, die vor Ort entwickelt werden, was uns zeigt, dass es kein Patentrezept für eine Schulreform gibt.

TERMINE UND THEMATISCHE SCHWERPUNKTE DER TAGUNGEN DES BUNDESELTERNRATES IM JAHR 2006
20. – 22. Jan. 2006 Tagung der Fachausschüsse des BER für Realschulen und Gymnasien
in Berlin Thema: Selbstständige und eigenverantwortliche Schule – Herausforderungen an eine neue Unterrichtsqualität und Evaluation der eigenen Arbeit
17. – 19. März 2006 Tagung der Fachausschüsse des BER für Grund-, Sonder- und
Gesamtschulen Ort noch offen Thema: Flexible Schuleingangsstufen als Beginn gemeinsamen Lernens und die individuelle Begleitung und Förderung der Kinder in Integrationsklassen
19. – 21. Mai 2006 Frühjahrsplenartagung des BER
in Porta Westfalica Thema: Individuelle Förderung – eine neue Lehr- und Lernkultur bereitet den Weg für eine zukunftsfähige Schule im 21. Jahrhundert
16. – 18. Juni 2006 Tagung der Fachausschüsse des BER für Haupt- und Berufsbildende Schulen in Magdeburg Thema: Gestaltete Übergänge von der Schule in die Berufsausbildung und individuelle Förderung in der beruflichen Bildung
15. – 17. Sept. 2006 Planungstagung des Hauptausschusses des BER Ort noch offen Thema: Stand der Bildungsreform im Schulwesen – Die Bedeutung und Rolle der Institute für Qualitätssicherung im Bildungswesen
10. – 12. Nov. 2006 Herbstplenartagung des BER
in Bad Hersfeld Thema: Die Nachhaltigkeit der schulischen Bildung im Kontext lebenslangen Lernens 

INFORMATIONEN ZU EINER ELTERNBEFRAGUNG „ERWARTUNGEN AN LEHRERINNEN UND LEHRER
Diese Anfrage von Universität Duisberg möchten wir in Ihnen weitergeben, so dass auch Sie einen Beitrag zur Verbesserung der Lehrerausbildung leisten können.

Erwartungen an Lehrer/innen Was wird heutzutage von Lehrern und Lehrerinnen erwartet? Durch die Ergebnisse von Forschungsprojekten wie z.B. PISA steht der Lehrberuf an den verschiedenen Schulformen im Mittelpunkt der Diskussionen. Uns, eine Gruppe von Studierenden, die später selber den Lehrberuf ausüben möchte und eine Professorin am Fachbereich Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen interessieren die Erwartungen, die verschiedene Gruppen an Lehrer und Lehrerinnen stellen. Wir möchten herausfinden, welche Erwartungen Lehrer/innen, Eltern und SchülerInnen an Lehrer/innen stellen. Dafür haben wir einen übersichtlichen Fragebogen zusammengestellt, der per Internet an Eltern und Lehrer/innen verteilt wird. Ihre Antworten werden dann an die mail-Adresse von Prof. G. Steins gesendet unter Garantie der Anonymität: Der mail-Ausdruck wird nach Dateneingabe vernichtet. Wir freuen uns über jede Zusendung. Über die Ergebnisse der Untersuchung werden wir Sie an dieser Stelle informieren. Haben Sie Interesse? Über diesen link kommen Sie zu dem Fragebogen: http:/ /www.uni-essen.de/fb2gst/frabo_start.html Kontaktadresse: Prof. Dr. Gisela Steins Universität Duisburg-Essen Fachbereich Bildungswissenschaften

Was ist das? Teil 1
In dieser Spalte möchten wir häufig verwendete Bildungsbegriffe erklären oder Organisationen vorstellen. In dieser Ausgabe kommen die Gewerkschaften für Lehrkräfte unter der Lupe. GEW: Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Eine der größten Gewerkschaften im Bildungsbereich. Neben – nach eigenen Angaben – etwa ein Drittel der Lehrkräfte in Deutschland zählen auch Kita-Personal, Wissenschaftler und Jugend- und Sozialarbeitenden zu den Mitgliedern. Sie hat eine kritische Haltung zu vielen Aspekten der traditionellen deutschen Schule und fordern eine große Reform zu „Eine Schule für alle“. Für mehr Informationen siehe www.gew.de VBE: Verband Bildung und Erziehung. In seinem öffentlichen Auftreten ist der Verband etwas weniger polemisch als die GEW, teilt jedoch vieler ihrer Ansichten. Der VBE organisiert viele Fachtagungen und produziert sehr gute Dokumentationen. Für mehr Informationen siehe www.vbe.de Deutscher Philologenverband (DPhV). Er nennt sich der größte Verband für Gymnasiallehrer, obwohl Realschullehrer auch zu den Mitgliedern zählen. Der Verband hält am gegliederten Schulsystem fest und gilt als etwas konservativer und traditioneller als die GEW oder der VBE.

IMPRESSUM
Die BER-NEWS werden vom Bundeselternrat herausgegeben.
Vorsitzender: Wilfried W. Steinert
Verantwortliche Redakteurin: Dr. Katherine Bird

 

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